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"Politische Bildung vermag die Kruste von Gleichgültigkeit und Desinteresse zu durchbrechen, wenn es ihr gelingt, politische Vorgänge auf die Struktur der sie tragenden Interessen zu beziehen und einen einsichtigen Zusammenhang herzustellen zwischen dem Zustand des Gemeinwesens und den persönlichen Belangen des Einzelnen."
Adorno
Demokratie lebt von der Teilhabe jeder und jedes Einzelnen. Der Idee nach trägt jede und jeder von uns zur Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens bei. Voraussetzung dieser Partizipation muss dabei nach Kant die Befreiung "des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit" sein.
Dies beinhaltet insbesondere die Erkenntnis, dass die politischen Spielregeln Ergebnis langer Auseinandersetzungen der Menschen sind, dass Geschichte gemacht ist. Somit hat jede und jeder Einzelne die Möglichkeit, Einfluss auf ihren Verlauf zu nehmen. Erst die Einsicht, dass Wirklichkeit veränderbar ist, macht uns im politischen Raum handlungsfähig und versetzt uns in die Lage, aktiv Möglichkeiten der Partizipation wahrzunehmen und einzufordern.
Grundlegend hierfür ist ein Begriff von Politik, welcher sich nicht auf Parteien und Parlament beschränkt. Vielmehr müssen sämtliche gesellschaftliche Zusammenhänge, auch die sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Menschen, als politisch begriffen werden. Die Abhängigkeiten sind vielfältig und wechselseitig: Gesellschaft ist ein komplexes System.
Einer an ihren emanzipatorischen Potentialen interessierten politischen Bildung kommen damit drei wesentliche Aufgaben zu:

Die einzelnen Aspekte sind nicht voneinander unabhängig begreifbar. Fähigkeit zu Kritik und damit die Erkenntnis, dass Wirklichkeit veränderbar ist, ist ebenso Voraussetzung für die Überwindung der eigenen Passivität wie die Bereitschaft, individuelle Belange als gesellschaftlich zu begreifen. Und erst aus einer aktiven Position heraus ist es möglich, Kritik zu formulieren, diese in einen gesellschaftlichen Zusammenhang zu stellen und Alternativen zu entwickeln.
Politische Bildung in der Praxis
Politische Bildung muss in ihrer Umsetzung sowohl den einzelnen Aufgaben - Kritik, Bezug herstellen, Aktivierung - gerecht werden als auch den Zusammenhang dieser Aspekte im Fokus behalten.
Voraussetzung dafür, Kritik üben zu können, ist es Zusammenhänge zu begreifen. Dabei kann die Anhäufung von abstraktem Wissen nicht primäres Ziel von politischer Bildung sein. Vielmehr muss Wissen als Grundvoraussetzung verstanden werden, um eigenverantwortliches Denken (und Handeln) möglich zu machen. Emanzipation kann dabei nicht verordnet oder gelehrt werden. In der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Diskursen und Meinungen muss jede und jeder für sich seine Position ermitteln und dabei Vorgegebenes kritisch hinterfragen lernen. Die Aufgabe, der wir uns stellen können, ist lediglich die, eine Vielzahl solcher Diskurse aufzuzeigen, verständlich zu machen und zu einer gemeinsamen Auseinandersetzung anzuregen. Dafür ist es notwendig, dass auch die "Lehrenden" sich als gleichberechtigter Teil einer Lerngemeinschaft begreifen.
Um einen Bezug zwischen der eigenen Situation und der seiner Mitmenschen herzustellen, muss die Lebenswirklichkeit der Lernenden im Mittelpunkt des Lernprozesses stehen. Der Ausgangpunkt ist immer das eigene Erleben und die Empathie mit anderen. So werden viele Zusammenhänge und Bedeutungen nicht bloß abstrakt und kognitiv, sondern auch emotional und körperlich erfahrbar. Auch ist politische Bildung immer soziale Praxis, eine Auseinandersetzung mit Mitmenschen, eine Konfrontation des eigenen Denkens mit dem anderer.
Wenn Politische Bildung Menschen dazu motivieren soll, aktiv zu werden und ihre Partizipationsmöglichkeiten wahrzunehmen, muss auch der Lernprozess aktiv und handlungsorientiert gestaltet sein. Angestrebt wird also selbstorganisiertes, eigenverantwortliches Lernen - und nicht die passive Aufnahme von Informationen.
Das Selbstverständnis als pdf-Datei [310kb]
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